Gemeinsam ein Lernziel erreichen und dabei individuelle Stärken einbringen: Kooperatives Lernen ist eine besondere Form der Gruppenarbeit. Ausbildungsberater Peter Braune erklärt die Vorteile dieser Lernmethode.

Ein Methodenwechsel motiviert die Auszubildenden. Die Meisterin oder der Meister sollte sich deshalb bemühen, die Lehrzeit abwechslungsreich, handlungsorientiert und wirkungsvoll zu gestalten. Hier ist es immer hilfreich, ab und zu einmal neue Lernmethoden auszuprobieren – wie das kooperative Lernen.
Gruppenarbeit ist in vielen Meisterbetrieben Lernalltag für Azubis. Doch meistens wird dann nur das Endprodukt beurteilt. Einen stärkeren Lerneffekt – und das auf verschiedenen Ebenen – hat allerdings das kooperative Lernen. Hier können die Auszubildenden, durch wechselseitige Abhängigkeit, gemeinsam ein Lernziel erreichen. Die Abhängigkeit – oder positiver ausgedrückt die Kooperation – entwickelt fachliche und menschliche Fähigkeiten. Durch gemeinsames Arbeiten werden Arbeitsschritte und Gedanken der Beteiligten untereinander beeinflusst. Ausbilderinnen und Ausbilder erarbeiten dabei die Aufgaben so, dass ein Lernziel aus dem betrieblichen Ausbildungsplan gemeinsam erreicht werden kann.
Kooperatives Lernen beschreibt dabei grundsätzlich eine Methode, bei der in Kleingruppen gearbeitet wird. Es geht um ein gemeinsames Ziel, das dadurch erreicht wird, dass jeder Einzelne Aufgaben in eigener Verantwortung übernimmt, dabei seine individuellen Fähigkeiten einbringt und am Ende alle ein kooperatives Ergebnis gemeinsam präsentieren.
Kooperatives Lernen: Das sind die Vorteile für Azubis
Wichtige Bestandteile der Methode des kooperativen Lernens sind: Einzelarbeit, Austausch, Zusammenarbeit sowie eine gemeinsame Präsentation der Ergebnisse. Es sind unterschiedliche Voraussetzungen der Auszubildenden nutzbar. Sie merken sich Informationen besser und entwickeln ein tieferes Verständnis. Die Methode fördert die Selbstständigkeit und ihre Anwendung wirkt motivierend.
Zu den Vorteilen gehören auch noch:
- der Erwerb von Konfliktfähigkeit durch praktische Erfahrung,
- die Förderung einer positiven Arbeitsumgebung,
- die Verbesserung des Arbeitsverhaltens
- das Verfeinern des Zuhörens, der Ausdrucksfähigkeit und der Körpersprache,
- die Übernahme persönlicher Verantwortung durch bewusste Entscheidungen und
- das Entwickeln von Selbstvertrauen durch positive Erfahrungen.
Beispiel zeigt, wie eine Aufgabe für kooperatives Lernen aussehen kann
Das folgende Beispiel zeigt ein berufsübergreifendes Groblernziel:
Ermitteln und beschreiben Sie, zu welcher Branche unser Betrieb gehört. Beurteilen Sie die Gewichtung der Produktionsfaktoren im Betrieb und wie diese in der Verbindung wirken. Erläutern Sie in einer verständlichen Form, wie durch die Arbeitsteilung die betrieblichen Ziele erreicht werden.
Suchen Sie dann nach den Antworten auf die folgenden Fragen:
- Wie wird unsere Branche beschrieben?
- Welche typischen Berufe gibt es in der Branche?
- Was bedeuten die Begriffe Primärsektor, Sekundärsektor und Tertiärsektor?
- Welchen Zusammenhang gibt es zwischen den Wirtschaftsstufen und der Arbeitsteilung?
- Welche Folgen ergeben sich aus der betrieblichen Arbeitsteilung?
Gestalten Sie danach eine Pinnwand, mit deren Hilfe Sie in einem Kurzvortrag Ihre Ergebnisse verständlich erläutern können.
Ihr Ausbildungsberater Peter Braune
Zum Autor: Peter Braune hat Farbenlithographie gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.